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Die qualitative Einstufung toskanischer Weine

Es gibt, grob gesagt, vier Qualitätsstufen des italienischen Weins:

  • Vino da Tavola
  • Indicazione Geografica Tipica (IGT)
  • Denominazione di Origine Controllata (DOC)
  • Denominazione di Origine Controllata e Garantita (DOCG)

Mit der neuen EU-Weinmarktordnung von 2009 wurde die Herkunftsbezeichnung für Wein analog zum Lebensmittelrecht vereinheitlicht, so dass es nunmehr zwar neue Beschreibungen gibt, welche die alten Beschreibungen aufgrund des Bestandsschutzes in Italien jedoch nicht aufheben. Die neuen Beschreibungen lauten:

  • Vino, bzw. „Wein“, ehemals Vino da Tavola
  • Indicazione Geografica Protetta (IGP), ehemals IGT
  • Denominazione d’Origine Protetta (DOP), ehemals DOC und DOCG

Wer tiefer in die Materie eindringen will, dem empfehlen wir zunächst die Lektüre der Verordnung „(EG) Nr. 607/2009 der Kommission vom 14. Juli 2009 mit Durchführungsbestimmungen zur Verordnung (EG) Nr. 479/2008 des Rates hinsichtlich der geschützten Ursprungsbezeichnungen und geografischen Angaben, der traditionellen Begriffe sowie der Kennzeichnung und Aufmachung bestimmter Weinbauerzeugnisse“.
Ferner regelt das italienische Gesetz „Legge 10 febbraio 1992, n. 164: Nuova disciplina delle denominazioni d'origine dei vini“ die Zuordnung von IGT, DOC und DOCG.
Falls Sie diese Werke abschrecken, lesen Sie hier weiter. Wir bleiben bei den Begriffen IGT, DOC und DOCG, da sie in Italien weiterhin und mehrheitlich in Gebrauch sind.

 

toskana vino da tavola1. Vino da Tavola (VT)


Ein Vino da Tavola oder einfach nur „Vino“ ist nichts anderes als ein einfacher Tafelwein. VT ist zudem keine offizielle Bezeichnung. Er unterliegt keiner besonderen Qualitätsprüfung, insbesondere was Herkunft und Rebsorte betrifft. Im Umkehrschluss gibt es aber auch keine Prüfung, „wie gut“ der Wein ist. Zu Besuch bei italienischen Freunden, die einen Weinberg besitzen, kann ein Vino da Tavola durchaus positive Überraschungen bereithalten.

 

 

toskana igt casalgallo2. Indicazione Geografica Tipica (IGT)

Indicazione Geografica Tipica ist die erste richtige Qualitätsstufe, sie liegt über dem Vino da Tavola und entspricht dem deutschen Landwein. Was jedoch nicht heißen muss, dass ein IGT per se kein besonders guter Wein ist. Ein IGT unterliegt einer Qualitätskontrolle und muss mindestens angeben, aus welchem Anbaugebiet er stammt und aus welchen Rebsorten er besteht. Wie bei den Tafelweinen kann es hier positive Ausreißer geben, die qualitativ sogar höherwertiger als DOC-Weine sind, weil sie beispielsweise Rebsorten enthalten, die nach den lokalen DOC-Vorschriften nicht verwendet werden dürfen. Sie werden manchmal auch „Supertoskaner“ genannt.


Zu den IGT-Weinen der Toskana gehören derzeit u.a. (alphabetisch geordnet):
Alta Valle della Greve, Colli della Toscana Centrale, Costa Toscana, Montecastelli, Toscano/Toscana, Val di Magra.

 

3. Denominazione di Origine Controllata (DOC)

Denominazione di Origine Controllata ist eine „kontrollierte Ursprungsbezeichnung“ für Wein aus Italien. Die offizielle Beschreibung laut EU-Verordnung lautet:

Weine mit Ursprungsbezeichnung: geografischer Name eines Weinbaugebiets, das durch eine besondere Erzeugung gekennzeichnet ist; der Name wird zur Bezeichnung eines Qualitätserzeugnisses mit hohem Bekanntheitsgrad verwendet, das seine Eigenschaften den geografischen Verhältnissen und den menschlichen Einflüssen verdankt. Das Gesetz legt für die italienischen Bezeichnungen den besonderen traditionellen Begriff „D.O.C.“ fest, um das vorgenannte Konzept der sehr hochwertigen und traditionellen Ursprungsbezeichnung zu erläutern.

Amtsblatt der Europäischen Union Nr. 607/2009 (L 193/S. 104)


Bei den Qualitätsstufen stehen die DOC-Weine über den IGT- Weinen und unter den DOCG-Weinen. Sie zeichnen sich aus durch ihren Bekanntheitsgrad und durch die Angabe der Herkunft. DOC-Weine dürfen nur in zugelassenen Anbaugebieten und mit zugelassenen Rebsorten (Hauptsorte in der Toskana: Sangiovese) erzeugt werden. Auch darf der zulässige Ertrag pro Hektar nicht überschritten werden, um die qualitative Wertigkeit der Trauben nicht zu mindern. Weine mit DOC- oder DOCG-Siegel dürfen nicht in Flaschen oder Behälter mit mehr als fünf Liter Fassungsvermögen abgefüllt werden.

In der Toskana sind dies derzeit (alphabetisch geordnet):
Ansonica Costa dell’Argentario, Barco Reale di Carmignano, Bianco dell’Empolese, Bianco di Pitigliano, Bolgheri, Bolgheri Sassicaia, Candia dei Colli Apuani, Capalbio, Colli dell’Etruria Centrale, Colli di Luni, Colline Lucchesi, Cortona, Elba, Grance Senesi, Maremma Toscana, Montecarlo, Montecucco, Monteregio di Massa Marittima, Montescudaio, Moscadello di Montalcino, Orcia, Parrina, Pomino, Rosso di Montalcino, Rosso di Montepulciano, San Gimignano, San Torpè, Sant’Antimo, Sovana, Terratico di Bibbona, Terre di Casole, Terre di Pisa, Val d’Arbia, Val d’Arno di Sopra oder Valdarno di Sopra, Val di Cornia, Valdichiana Toscana, Valdinievole, Vin Santo del Chianti, Vin Santo del Chianti Classico, Vin Santo di Carmignano, Vin Santo di Montepulciano.

 

4. Denominazione di Origine Controllata e Garantita (DOCG)

toskana chianti superioreDenominazione di Origine Controllata e Garantita ist ebenfalls eine „kontrollierte Ursprungsbezeichnung“ für Wein aus Italien. DOCG entspricht von der Qualität her (nicht vom Geschmack) am ehesten dem deutschen Prädikatswein. Die offizielle Beschreibung laut EU-Verordnung lautet:

 

Ähnelt der Begriffsbestimmung für D.O.C., enthält aber auch das Wort „garantiert“ und wird so für Weine von besonderem Wert verwendet, die seit mindestens fünf Jahren als DOC-Weine anerkannt sind. Diese Weine werden in Behältnissen mit einem Fassungsvermögen von nicht mehr als 5 Litern vermarktet und tragen eine amtliche Erkennungsbanderole, um dem Verbraucher eine bessere Garantie zu bieten.

Amtsblatt der Europäischen Union Nr. 607/2009 (L 193/S. 104)

Die DOCG-Weine stellen in der offiziellen Klassifikation die hochwertigste Qualitätsstufe dar. Die Flaschen tragen eine Banderole mit „DOCG“ am Hals und müssen bereits im Anbaugebiet abgefüllt werden (andere Weine werden als Massenerzeugnisse oftmals vorher in großen Behältern abtransportiert, um außerhalb der Anbaugebiete abgefüllt zu werden). Zwischen DOC und DOCG kann es so gut wie keine bis hin zu sehr große Unterschiede geben. Es kommt drauf an. Da viele DOCG-Weine traditionsreicher sind, sind sie daher oftmals verlässlicher in der Qualität. Zu beachten ist, dass es innerhalb der Bezeichnungen „Brunello“, „Chianti Classico“ und der anderen großen DOCG-Weine wiederum Qualitätsunterschiede geben kann. Hier kommt es im Einzelfall unter anderem auf den Erzeuger oder auf den Jahrgang an.

Es gibt in der Toskana derzeit 11 DOCG-Weine (alphabetisch sortiert):
Brunello di Montalcino, Carmignano, Chianti (DOCG), Chianti Classico (DOCG), Elba Aleatico Passito, Montecucco Sangiovese, Morellino di Scansano, Suvereto, Val di Cornia Rosso, Vernaccia di San Gimignano, Vino Nobile di Montepulciano.

 

5. Der „Chianti Classico“, oder die Sache mit dem „schwarzen Gockel“

Hierzu geben wir Teile aus der sehr guten Beschreibung von Wikipedia neben unserem eigenen Wissen etwas gekürzt wieder.
(Seite „Chianti (Wein)“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 21. November 2016, 13:02 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Chianti_(Wein)&oldid=159918890 (Abgerufen: 4. Februar 2017, 12:11 UTC)


Chianti war früher das Synonym für italienischen Wein schlechthin und wurde traditionell in strohumflochtenen Flaschen (fiasco) verkauft. Mit der Bezeichnung Chianti werden zwei bedeutende Rotweine („Chianti DOCG“ und „Chianti Classico DOCG“) erzeugt sowie zwei Dessertweine („Vin Santo del Chianti DOC“ und „Vin Santo del Chianti Classico DOC“). Die Rotweine erhielten beide ihre „kontrollierte und garantierte Herkunftsbezeichnung“ (Denominazione di Origine Controllata e Garantita) am 2. Juli 1984, nachdem sie vorher bereits seit 1967 als DOC-Weine zertifiziert waren. Der „Vin Santo del Chianti“ erhielt seine kontrollierte Herkunftsbezeichnung (DOC) am 28. August 1997. Der „Vin Santo del Chianti Classico“ besitzt seit dem 24. Oktober 1995 eine „Denominazione di Origine Controllata“.


Die Bezeichnung Chianti wurde wahrscheinlich aus einem etruskischen Familiennamen abgeleitet und bezeichnete ursprünglich die Hügellandschaft zwischen Baliaccia und Monte Luco. Der Name wurde später auf die Ortschaften Castellina, Radda und Gaiole erweitert und bildete den territorialen Kern der mittelalterlichen Chianti-Liga (ital. Lega del Chianti), einem politischen und militärischen Bündnisses unter der Herrschaft des Stadtstaates Florenz. Diese Zone bildet heute den südlichen Teil des Chianti-Classico-Gebietes. Der Schwarze Hahn (Gallo Nero) als Wappentier der Chianti-Liga ist später zum Wahrzeichen des Chianti Classico geworden. Im Jahr 1716 entstand durch einen Erlass des Großherzogs der Toskana, Cosimo III. de’ Medici eines der ersten Weingesetze. In diesem definierte er eine geschützte Herkunftsbezeichnung für den Chianti und bestimmte Regeln für die Vermarktung und Produktion. Dieser Schritt kann als ein Vorläufer der heutigen DOC- und DOCG-Produktionsbestimmungen betrachtet werden.


toskana chianti classico nero galloHeute ist der Schwarze Hahn auf der Banderole von Chianti-Classico Weinen als eigenes Markenzeichen, jedoch nicht als offizielles Qualitätsmerkmal der EU zu verstehen. Die Vorgaben, um das Markenzeichen zu erhalten, sind strenger als die Vorgaben der DOCG-Weine. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass im Chianti-Classico Gebiet kein Chianti DOCG mehr produziert wird(!), um den hohen Qualitätsstandard hinsichtlich Reifezeit, Ertragsmengen und Rebsorte (mindestens 80% Sangiovese) zu garantieren.

Der Chianti Classico wird zudem in weiteren Qualitätsstufen produziert:

Chianti Classico Riserva: Verkauf frühestens 24 Monate nach dem Erntejahr, davon mindestens drei Monate in der Flasche.

Chianti Classico Gran Selezione: Verkauf frühestens 30 Monate nach dem Erntejahr, davon mindestens drei Monate in der Flasche. Diese höchste Qualitätsstufe des Chianti Classico wurde erst im Jahr 2013 eingeführt.