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Mit Mark Twain durch Florenz - auf den den Spuren seiner Tour von 1878/1879

Man kann über die Toskana durchaus ins Schwärmen geraten. Gleichzeitig ist jedoch die überschwängliche Euphorie vieler Toskana-Fans oft genug auch der Kritik ausgesetzt, alles nur durch die "rosarote Brille" zu sehen. Wer könnte dies treffender auf den Punkt bringen als der Autor Mark Twain, der auf seine humorvolle Art die eigenen Reiseerlebnisse in seinem Reisetagebuch Die Arglosen im Ausland beschreibt? Mark Twain unternahm im Rahmen seiner Weltreise zwischen 1878 und 1879 auch einen Abstecher in die Toskana. Hier beschrieb er vor allem seine Eindrücke von den Städten Florenz und Pisa. Sie sind im Folgenden wiedergegeben - wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Schmökern!


Aus: Mark Twain. Ausgewählte Werke in zwölf Bänden. Band 2: Die Arglosen im Ausland.
Aus dem Amerikanischen von Ana Maria Brock. Hrsg. von Karl-Heinz Schönfelder
Mit freundlicher Genehmigung © Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, Berlin 1961


Für die Genehmigung, den Text veröffentlichen zu dürfen, möchten wir uns ganz herzlich beim Aufbau-Verlag Berlin bedanken. Das Buch ist derzeit leider nur gebraucht erhältlich, weitere Informationen zum Kauf finden Sie hier, auf unserer Seite für Toskana-Bücher.


Kapitel 24 - Florenz (S. 219-223)

Florenz erfreute uns eine Zeitlang. Ich glaube, wir bewunderten die große Figur des David auf dem großartigen Platz und die Gruppe, die man den „Raub der Sabinerinnen“ nennt. Wir wanderten natürlich durch die endlosen Sammlungen von Gemälden und Statuen in der Galerie Pitti und in den Uffizien. Ich mache diese Angabe zur Selbstverteidigung; damit lasst es genug sein. Ich könnte unter der Beschuldigung keine Ruhe finden, ich hätte Florenz besucht und seine ermüdenden, meilenlangen Bildergalerien nicht durchquert. Wir versuchten träge, uns etwas über die Guelfen und Ghibellinen und die anderen historischen Meuchelmörder in die Erinnerung zurückzurufen, deren Fehden und Morde einen großen Teil der Florentiner Geschichte ausmachen, aber das Thema war nicht reizvoll. Aller Ausblicke in die schöne Berglandschaft waren wir auf unserer kleinen Reise durch ein Eisenbahnsystem beraubt worden, das je drei Meilen einen Tunnel auf je hundert Yard Tageslicht vorsah, und wir waren nicht geneigt, Florenz besonders freundschaftlich entgegenzutreten. Irgendwo außerhalb der Stadt hatten wir die Stelle gesehen, wo diese Leute die Gebeine Galileis eine Ewigkeit in ungeweihter Erde hatten ruhen lassen, weil seine große Entdeckung, dass die Erde sich dreht, von der Kirche als verdammenswerte Ketzerei angesehen worden war; wir wissen, dass man ihn lange, nachdem die Welt seine Theorie anerkannt und seinen Namen weit oben in der Liste ihrer großen Männer eingereiht hatte, noch immer dort hatte modern lassen. Dass wir es haben erleben dürfen, seinen Staub in einer geehrten Grabstätte in der Kirche von Santa Croce zu sehen, verdanken wir einer Gesellschaft von Gelehrten und nicht Florenz und seinen Beherrschern. Wir sahen auch Dantes Grab in dieser Kirche, aber wir waren froh, als wir erfuhren, dass seine sterblichen Überreste nicht darin ruhen; die undankbare Stadt, die ihn verbannt und verfolgt hatte, gäbe viel darum, ihn dazuhaben, braucht sich aber keine Hoffnungen darauf zu machen, dass sie sich diese hohe Ehre jemals sichern kann. Medicis sind für Florenz gut genug. Mag es Medicis einscharren und große Monumente über ihnen errichten und damit bezeugen, wie dankbar es immer die Hand geleckt hat, die es züchtigte.

Großmütiges Florenz! Seine Märkte für Schmucksachen wimmeln von Künstlern auf dem Gebiete der Mosaikarbeit. Florentiner Mosaiken sind die kostbarsten der Welt. Florenz hört das gern. Florenz ist stolz drauf. Florenz möchte diese seine Spezialität fördern. Es ist den Künstlern dankbar, die ihm diesen guten Ruf verschaffen und seine Truhen mit ausländischem Geld füllen, und daher ermutigt es sie mit Pensionen. Mit Pensionen! Man stelle sich diese Verschwendung vor! Man weiß hier, dass die Menschen, die die bezaubernden Kleinigkeiten zusammensetzen, früh sterben, weil die Arbeit so beengend und für Hand und Geist so erschöpfend ist, und deshalb hat man verfügt, dass alle Leute, welche die sechzig erreichen, eine Pension erhalten sollen! Ich habe noch nicht gehört, dass schon welche von ihnen ihre Dividende eingefordert hätten. Ein Mann kämpfte sich tatsächlich durch, bis er sechzig Jahre alt war, und ging seine Pension holen, aber es stellte sich heraus, dass man sich in seiner Familienurkunde um ein Jahr versehen hatte; daraufhin gab er es auf und starb.

Diese Künstler nehmen Stein- oder Glasstückchen, die nicht größer sind als ein Senfkorn, und setzen sie auf einem Manschettenknopf oder auf einem Hemdenknopf so glatt und mit so peinlich genauer Abstimmung der zarten Farbschattierungen der verschiedenen Teilchen zusammen, dass eine vollständige Miniaturrose mit Stiel, Dorn, Blättern und Blüten entsteht, und sie ist in allem so zart und echt getönt, als hätte die Natur selbst sie geschaffen. Sie bilden eine Fliege oder einen erhabenen Käfer oder die Ruine des Kolosseums innerhalb des beschränkten Umfanges einer Brosche ab und tun es so geschickt und sauber, dass man denken könnte, ein Meister habe es gemalt.

Ich sah in der großen Mosaikschule in Florenz einen kleinen Tisch — eine große Tafel in Kleinausführung —, dessen Platte aus irgendeinem kostbaren polierten Stein bestand, und in den Stein war das Bild einer Flöte mit Schalltrichter und einem Gewirr von Klappen eingelegt. Kein Gemälde der Welt hätte weicher oder satter in der Farbgebung sein können; kein Übergang von einem Ton in den anderen hätte vollkommener sein können; kein Kunstwerk irgendwelcher Art hätte makelloser sein können als diese Flöte, und doch: die Unmengen kleiner Steinstückchen zu zählen, aus denen sie, wie man uns eidlich versicherte, gebildet war, würde die Rechenkunst eines jedes Menschen zugrunde richten! Ich glaube nicht, dass man mit Augen gewöhnlicher Schärfe sehen konnte, wo zwei Teilchen sich berührten. Wir konnten jedenfalls einen solchen Makel nicht entdecken. Diese Tischplatte hatte einen Mann zehn Jahre Arbeit gekostet, sagte man uns, und sie stand für fünfunddreißigtausend Dollar zum Verkauf.

santa croce

Wir gingen in Florenz von Zeit zu Zeit in die Kirche von Santa Croce, um über den Gräbern von Michelangelo, Raffael und Machiavelli zu weinen (ich nehme an, dass sie dort begraben sind, aber es kann sein, dass sie woanders wohnen und ihre Gräber an andere Leute vermieten — wie das in Italien so der Brauch ist), und in der Zwischenzeit standen wir auf den Brücken und bewunderten den Arno. Es ist allgemein beliebt, den Arno zu bewundern. Er ist ein großes historisches Rinnsal von vier Fuß Breite in seinem Bett und einigen Prähmen, die auf ihm herumschwimmen. Es wäre ein recht überzeugender Fluss, wenn man etwas Wasser hineinpumpen würde. Alle bezeichnen ihn als Fluss, und sie glauben ehrlich, dass er ein Fluss ist, diese finsteren und blutigen Florentiner. Sie helfen dieser Täuschung sogar noch nach, indem sie Brücken darüber bauen. Ich sehe nicht ein, wieso sie zu fein dazu sind, durchzuwaten.

[Bild: Eglise Santa Croce, Bildquelle: Bruno Barral (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons]

Wie einen die Strapazen und Lästigkeiten der Reise manchmal mit bitteren Vorurteilen erfüllen! Vielleicht würde ich Florenz einen Monat später unter glücklicheren Vorzeichen betreten und alles schön, alles anziehend finden. Aber jetzt möchte ich überhaupt nicht an die Stadt denken, auch nicht an ihre geräumigen Läden, die bis zur Decke mit schneeweißen Marmor- und Alabasterkopien aller berühmten Bildwerke Europas angefüllt sind — Kopien, die das Auge so entzücken, dass ich mich frage, ob sie tatsächlich dieselbe Gestalt haben wie die schmutzigen, versteinerten Alpträume, deren Abbildungen sie sind.

Eines Abends um neun Uhr verlief ich mich in Florenz und irrte in diesem Labyrinth enger Straßen und langer Reihen riesiger Gebäude, die alle gleich aussehen, weiter umher bis gegen drei Uhr morgens. Es war eine angenehme Nacht, und anfangs waren eine ganze Menge Leute unterwegs, und man sah hier und da freundliche Lichter. Später gewöhnte ich mich daran, durch geheimnisvolle Stollen und Tunnel zu schleichen und mich selbst in Erstaunen zu versetzen und damit zu unterhalten, dass ich in der Erwartung um eine Ecke bog, das Hotel mir entgegenstarren zu sehen, und dann allemal feststellte, dass es überhaupt nicht daran dachte. Noch später wurde ich müde. Ich war bald reichlich müde. Aber jetzt war niemand mehr unterwegs — nicht einmal ein Polizist. Ich wanderte weiter, bis ich alle Geduld verloren hatte und sehr erhitzt war und Durst bekam. Etwas nach ein Uhr landete ich schließlich unvermutet an einem Stadttor. Da wusste ich denn, dass ich sehr weit vom Hotel entfernt war. Die Soldaten dachten, ich wollte die Stadt verlassen, und sprangen auf und versperrten mir mit ihren Musketen den Weg. Ich sagte:

„Hotel d’Europe!“

Das war das ganze Italienisch, das ich kannte, und ich war nicht sicher, ob es Italienisch oder Französisch war. Die Soldaten guckten einander und mich dumm an, schüttelten den Kopf und nahmen mich in Gewahrsam. Ich sagte, ich wolle nach Hause gehen. Sie verstanden mich nicht. Sie nahmen mich mit in die Wachstube und durchsuchten mich, aber sie fanden keinen Aufruhr an mir. Sie entdeckten ein kleines Stück Seife (wir haben jetzt Seife mit), und ich machte es ihnen zum Geschenk, weil ich sah, dass sie es als Rarität betrachteten. Ich fuhr fort, Hotel d’Europe zu sagen, und sie fuhren fort, den Kopf zu schütteln, bis schließlich ein junger Soldat, der in der Ecke genickt hatte, sich erhob und etwas sagte. Er sagte, er wisse, wo das Hotel sei, nehme ich an, denn der Wachoffizier schickte ihn mit mir fort. Wir gingen hundertfünfzig Meilen, so schien es, und dann verlief er sich. Er wandte sich hierhin und dahin, gab es schließlich auf und machte mir deutlich, dass er den Rest des Morgens damit zu verbringen gedächte, das Stadttor wiederzufinden. In diesem Augenblick fiel mir auf, dass das Haus gegenüber irgendetwas Vertrautes an sich hatte. Es war das Hotel!
Es war ein Glück für mich, dass zufällig ein Soldat da war, der wenigstens so gut Bescheid wusste wie dieser; denn man erzählte uns, dass die Regierung nach dem Prinzip verfahre, das Militär ständig von einer Stelle zur anderen und vom Land in die Stadt zu verlegen, damit es nicht mit der Bevölkerung Kontakt aufnehmen und in seiner Pflichterfüllung nachlässig werden und mit Freunden Verschwörungen und Komplotte anzetteln könne. Meine Erlebnisse in Florenz waren hauptsächlich unangenehm. Ich will das Thema wechseln.


Zur Fortsetzung des Berichts mit den Erlebnissen in Pisa und Livorno geht es hier...

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